Verlag Das Brennglas

Fleischskandale

Wann verderben uns die Fleischskandale den Appetit

Dioxin-Skandal, Gammelfleisch, Antibiotika-Missbrauch:
Wann verderben uns die Fleischskandale endlich den Appetit?

Von Julia Brunke
Der Dioxinskandal zu Beginn des Jahres 2011 war nicht der erste große Fleisch-Skandal. Was hatte es in der letzten Zeit nicht schon alles gegeben: Gammelfleisch, BSE, E. coli, Würmer in Fisch, Salmonellen, Champhylobacter-Keime, Ekelkäse, MRSA und Antibiotika-Missbrauch - doch immer schien nach wenigen Wochen alles vergessen.
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Zu Beginn des Jahres hatte Deutschland einen neuen Lebensmittel-Skandal: Krebserregendes Dioxin wurde in deutlich grenzwertüberschreitenden Mengen in Eiern und Schweinefleisch nachgewiesen. Nachdem bekannt geworden war, dass 527 Tonnen dioxinverseuchtes Futter an Massentierhaltungen geliefert worden waren, wurden tausende Legehennen-Farmen, Schweine- und Putenzuchtbetriebe gesperrt, zigtausende Legehennen und Schweine getötet und weggeworfen. Nur wenige Tage nach dem ersten Futtermittel-Skandal drangen weitere neue Dioxin-Fälle und Pannen an die Öffentlichkeit, wieder wurden Tierhaltungen gesperrt. Doch hundertausende belastete Eier sowie Schweinefleisch waren bereits im Handel und zum Großteil längst verzehrt. Der Absatz von Eiern ging um 20 Prozent zurück. Auch dioxinverseuchtes Schweinefleisch war ebenfalls längst in den Handel gelangt und gegessen. Der Markt für Schweinefleisch brach dramatisch ein - vorübergehend. Es stellt sich die Frage: Was muss eigentlich noch passieren, bis die Menschen dauerhaft ihre Essgewohnheiten verändern? Denn der effektivste Weg, solche Skandale zu vermeiden und die eigene Gesundheit zu schützen, ist eine pflanzliche Ernährung aus naturgemäßem Anbau.

Nun war der Dioxinskandal zu Beginn des Jahres 2011 nicht der erste große Fleisch-Skandal. Was hatte es in der letzten Zeit nicht schon alles gegeben: Gammelfleisch, BSE, E. coli, Würmer in Fisch, Salmonellen, Champhylobacter-Keime, Ekelkäse, MRSA und Antibiotika-Missbrauch - doch immer schien nach wenigen Wochen alles vergessen.

Ja, haben wir Menschen denn nicht einen Verstand mitbekommen? Sind wir wirklich nicht in der Lage, aus ständig wiederkehrenden Fleisch-Skandalen für uns eine Lehre zu ziehen?

Subventioniert mit unseren Steuergeldern

Wer dabei auf die Politik setzt, hofft vergebens: Nicht nur die aus bundesdeutschen Steuergeldern wird die tier- und menschenfeindliche industrielle Massentierhaltung subventioniert. Die Europäische Union pumpt 60 Milliarden Euro in die industrielle Agrarproduktion - das ist fast die Hälfte des gesamten EU-Budgets!

Kein Wunder, dass bei so vielen Zuschüssen aus den Steuern der Bürger die Massentierhaltung boomt: Unzählige neue Anlagen sind in Deutschland in Planung. Allein für den geplanten Mega-Schlachthof (432.000 Schlachtungen pro Tag - 27.000 Tiere pro Stunde!) im niedersächsischen Wietze sollen 400 neue Mega-Hähnchenmästereien gebaut werden. Auch die Eierproduktion soll weiter wachsen: Prognosen zufolge um 4,9 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern soll trotz Protesten die größte Ferkelzuchtanlage Europas entstehen - der Export von Schweinefleisch soll weiter ansteigen. Und diese fatale Entwicklung wird von der Politik unterstützt und mit Steuergeldern gefördert.

»Dass ein solches krankes System Abscheulichkeiten wie den Dioxin-Skandal begünstigt, ist wenig verwunderlich«, so ein Kommentar von Martin Kotynek in der Süddeutschen Zeitung. Die industrielle Agrarwirtschaft sei wie ein Krebsgeschwür - und sie vernichte ihre eigene Lebensgrundlage: »Die industrielle Landwirtschaft verseucht das Grundwasser mit Nitraten, zerstört fruchtbare Böden, beschleunigt das Artensterben und trägt massiv zum Klimawandel bei. Wird dagegen nichts unternommen, werden eines Tages die Schäden an der Umwelt irreparabel sein, und der Boden wird nicht mehr genug Nahrung hervorbringen, um künftige Generationen zu ernähren.« (Skandale in der Landwirtschaft - Das kranke System: Kommentar in der Süddeutschen Zeitung, 9.1.2011)

Wer nicht warten will, bis die Politik etwas ändert oder das kranke System schließlich kollabiert, kann selbst etwas tun und für sein eigenen Leben Verantwortung übernehmen: Für jeden, der Vegetarier wird, müssen 7 Rinder, 22 Schweine, 20 Schafe, 600 Hühner weniger in der Massentierhaltung leiden und sterben. Für jeden, der keine Eier kauft, müssen keine Legehennen und dunklen Ställen vegetieren (Übrigens: Auch Bio-Hühner enden nach einer kurzen Legeperiode im Alter von eineinhalb Jahren als Suppenhuhn im Schlachthof!). Für jeden, der auf Milchprodukte verzichtet, werden Mutterkühen nicht die Kälbchen nach der Geburt entrissen, damit sie in engen Ställen ununterbrochen Unmengen Milch geben, bis sie im Alter von 4 Jahren geschlachtet werden.

Mit unserer Nachfrage bestimmen wir das Angebot: Gammelfleisch oder hochwertige Lebensmittel? Leichenteile auf dem Teller oder das, was die Natur für uns in Fülle hervorbringt? Gift und Gülle oder naturgemäßer Anbau?